Sonntag, 5. März 2017

Das Erwachen erneuern



Mit dem Erwachen zu spiritueller Erkenntnis verhält es sich aus meiner Sicht ähnlich wie mit dem Lernen neuer Inhalte. Zwar kann sich der tiefere Sinn einer Weisheit blitzschnell offenbaren und ich verstehe die Welt und das Leben plötzlich besser, aber um diese Erfahrung in mein Leben zu integrieren, ist es nötig, diese auch zu wiederholen, bis sie zur eigenen Wahrheit geworden ist. Denn nur, wenn sich das Wissen gefestigt hat, wird es zur Grundlage meines Handelns und ich kann eine spezielle Erfahrung oder Offenbarung mit anderen verbinden und zu einem großen Ganzen zusammensetzen.

 

Wie wir leichter lernen


Es ist schon viele Jahre her, da habe ich das interessante Buch „So lernt man lernen“ von Sebastian Leitner gelesen. Das Leitnersche Lernsystem beinhaltet nichts weiter als die Methode, die uns heute als Lernkartei zur Verfügung steht. Vor allem beim Lernen von Vokabeln beim Erlernen einer Fremdsprache hilft es schnell weiter.

Das Prinzip ist einfach. Der Lerninhalt wird auf eine Karteikarte übertragen und über ein Kastensystem in verschiedene Lernkästen einsortiert. Ein einmal erinnerter Inhalt wird in verschieden langen Abständen so lange wiederholt, bis er in der Erinnerung fest verankert ist und auch nach sehr langen Zeiträumen nicht mehr in Vergessenheit gerät. Die Lernkartei wird dabei in verschieden lange Zeiträume unterteilt.

Ein Inhalt sollte idealerweise nach ein paar Stunden, dann nach einem Tag, nach einer Woche, einem Monat und schließlich nach drei Monaten erneut wiederholt werden. Wurde der Inhalt nach einem Monat vergessen, rutscht dieses Kärtchen wieder in den ersten Kasten und das Lernen muss von neuem beginnen. Sobald dieser Zyklus einmal vollständig durchlaufen wurde, ist das Wissen fest in unserem Gehirn gespeichert. Dies gilt nicht nur für das Lernen von Vokabeln, sondern auch für das Begreifen von Rechenwegen, geschichtlichen Zusammenhängen, chemischen Reaktionen und so weiter.

Alle so gespeicherten Lerninhalte bleiben uns lange erhalten und lassen sich mit neuen Lerninhalten verknüpfen. Schwierigere Zusammenhänge leuchten uns leichter ein, wir finden kreativere Lösungen für unsere Probleme und so weiter.

 

Offenbarungen wiederholt erleben


Auf das spirituelle Erwachen übertragen, bedeutet das, wir müssen eine Offenbarung ebenfalls wiederholen, damit sie nicht nach einer Weile wieder in Vergessenheit gerät und unsere Suche von vorne beginnen muss.
Ich will dazu ein Beispiel anbringen: Wenn ich einen Ratgeber lese oder ein interessantes Seminar besuche, dann erlebe ich viele Aha-Effekte:

„Ach so fühlt sich das an“,
„Ja, genau“,
„Oh, das macht Sinn“,
„Klar, wenn ich es so mache, geht es leichter.“

Es fühlt sich ganz wunderbar an, diese Tipps alle zu bemerken und eine gewisse Erleichterung zu verspüren. Wenn ich aber das Buch dann zuklappe oder wenn das Seminar beendet ist, dann verblassen diese Inhalte wieder, sofern ich sie nicht anwende oder zumindest theoretisch wiederhole. Ein Zitat, das ich in diesem Zusammenhang gerne anbringe, stammt von Goethe
 

„Es ist nicht genug zu wissen - man muss auch anwenden.

Es ist nicht genug zu wollen - man muss auch tun.“

 - Johann Wolfgang von Goethe –

 

Wenn ich mein Wissen wiederhole und anwende, wird es bald zur Selbstverständlichkeit und es fällt mir leichter, Inhalte abzurufen und erneut mit anderen Inhalten zu verbinden. Eine Offenbarung ist zwar schön und gut, aber wenn ich mich auf meinem spirituellen Weg weiterentwickeln will, reicht eine Offenbarung nicht aus. Ich muss sie wiederholen und in mein Leben integrieren, sonst ist sie für mich nutzlos.

Wenn ich also meinen PAB - Plötzlich Alles Bewusst – Moment intensiv erlebt habe, so ist er zwar sehr präsent, aber nach ein paar Ablenkungen nichts weiter als eine schöne Erinnerung. Vielleicht gerät er sogar in Vergessenheit und ich befinde mich wieder in der alten Welt ohne die bewusste Verbindung zum Leben. Und dann weiß ich zwar, dass es etwas gibt, wonach es sich zu suchen lohnt, aber die Suche muss von vorne beginnen. Vielleicht gestaltet sich die Suche dann sogar schwieriger, weil der alte Weg eine Sackgasse war und ich einen neuen finden muss.

 

Den PAB – Plötzlich Alles Bewusst - Moment erneuern


Deshalb meditiere, kontempliere und bete ich, damit ich diesen PAB-Moment immer wieder bewusst herstellen kann, solange, bis ich mir den ganzen Tag über bewusst bin und jederzeit meine Gedanken und Gefühle als Beobachter wahrnehme. Dann lenkt mich nichts mehr ab und ich kann einen Schritt weiter gehen. Das kann lange dauern, denn sich spirituell weiterzuentwickeln ist genauso zeitaufwändig wie eine neue Gewohnheit in sein Leben zu integrieren, nur dass es sich kampflos und leichter anfühlt, denn die Erinnerung und Wiederholung einer so positiven Erfahrung ist berauschend und erfrischend. Das spirituelle Erwachen gleicht dem Schritt auf eine Treppe nach oben – mit jedem Schritt offenbaren sich mehr Details. Und je öfter ich denselben Schritt gehe, umso breiter und sicherer wird die Treppenstufe, auf der ich stehe. Ein Fallen nach unten zurück in die Unbewusstheit wird schwieriger.

Deshalb versuche ich, meine PAB-Momente zu wiederholen und somit zu festigen.
 
 
 
 
 

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