Sonntag, 7. Mai 2017

Negative Seiten der Spiritualität


Überall, wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Wir sollten uns das bewusst machen, wenn Spiritualität in unserem Leben eine große Rolle spielt. Denn nicht jeder Weg ist Heilversprechen.




Im Sog der Spiritualität


Wenden wir uns spirituellen Praktiken zu, stehen oft die Vorteile an erster Stelle. Wir wollen uns mit Gott verbinden, persönliche Reife erlangen oder einfach ein harmonisches Leben führen, in dem uns Probleme nicht so schnell aus der Bahn werfen. Wir wollen friedvoll werden, gelassen sein und mit anderen gut auskommen, kurz: wir suchen nach Möglichkeiten, ein besserer Mensch zu werden.

Auf unserer Suche finden wir allerlei Texte, Gurus und Vorträge, Seminare und Kurse, die großes und dauerhaftes Glück versprechen. Und wir erfahren selbst, wie friedvoll unser Geist werden kann, wenn wir erste Erfolge verbuchen. Davon wollen wir dann mehr und mehr. Wir erweitern unsere spirituellen Praktiken und investieren mehr Zeit in spirituelle Aktivitäten, gehen zu Meditationen, in Yoga-Kurse oder lesen öfter spirituelle Bücher. Die Beschäftigung mit diesen Inhalten tut uns gut.

Doch genau hier lauert die Gefahr, dass wir mehr davon wollen und wir suchen weiter, selbst wenn wir bereits einen friedvollen Geist entwickelt haben. Damit die spirituellen Kräfte auch weiterhin positiv auf unser Leben wirken können, sollten wir uns von Anfang an auch im Klaren sein, dass es immer auch Schattenseiten gibt. Und gerade in unserer Gesellschaft, in der ein friedvoller Geist eben nicht von Geburt an Ziel unseres Denkens ist, kommen wir in die Gefahr, dass Angst, Hass und Neid tief in unserem Unterbewusstsein verankert sind und nur mit viel Geduld aufgelöst werden können. Es kann leicht passieren, dass dieser unbewusste Teil in uns, größere spirituelle Prüfungen verursacht, als wir damit gerechnet haben und uns so wieder von der guten Seite, der Gott-Seite abwenden lässt und wirb in Süchte und Abhängigkeiten verfallen. Das Böse breitet sich schneller aus, als uns manchmal lieb ist, schon allein deshalb, weil sich niemand die Gefahr bewusst macht und darüber reden will. Wir verdrängen das Böse lieber. Und trotzdem ist es da, wie uns das Yin-Yang-Prinzip lehrt.

Es geht schneller als wir denken


Ich selbst sehe mich dieser Gefahr, in dunkle Bereiche der Spiritualität auch ausgesetzt, weil ich weiß, dass der Übergang manchmal einfach verschwimmt und wir doch nicht immer alles so bewusst wahrnehmen wie wir das gerne hätten. Das Lesen spiritueller Bücher kann genauso zur Sucht werden wie das Spielen am Handy oder das Rauchen von Zigaretten. Etwas, das uns gut tut, wollen wir wiederholen und verbessern. Da besteht die Gefahr, dass wir uns von unserem Alltag und vor allem von unseren Mitmenschen entfernen. Ruckzuck sehen wir uns in unserer geistigen Welt als vollkommene Wesen und haben weniger Interesse an komplizierten, menschlichen Begegnungen, wir vermeiden Streit und gehen Konfrontationen aus dem Weg, werden egoistisch, weil unser eigenes Seelenheil an erster Stelle steht, wir ziehen uns zurück, oder wir geben unseren Fleischkonsum zugunsten einer veganen Ernährung auf. Dabei merken wir gar nicht wie wir uns von gesellschaftlichen Normen entfernen und damit selbst zum Außenseiter machen können. Vor allem, wenn es um angewandte Esoterik geht, besteht die Gefahr, dass wir in einen Sog geraten, der uns so schnell nicht freigibt. Da verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse auch schnell und vor allem Menschen in der „Opfer“-Rolle überwinden ihr Opfer-Sein nicht, sondern verlagern das Problem nur von der menschlichen und stofflichen Welt auf eine geistige und innere Ebene. Sie werden Opfer ihres Selbst. Um das zu vermeiden, sollten wir uns die Gefahren einfach einmal bewusst machen und uns selbst gegenüber klarstellen, wo wir selbst gefährdet sind. Da dies ein persönlicher Blog ist, stelle ich das Ganze aus meiner Sicht dar. Aber wie es unterschiedliche Charaktere gibt, haben auch die negativen Seiten der Spiritualität viele Facetten, so dass ich hier keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Betrachten wir es als Anregung, sich selbst seine individuellen Gefahren bewusst zu machen und darauf zu achten.

Schöne Welt der Spiritualität – wo lauern Gefahren? 

1.    Selbstbewusstheit wird zu Egoismus 


Spiritualität fördert unsere Eigenverantwortung und stärkt unser Selbstbewusstsein. Das ist der große Vorteil.

Wer aber seine Selbstliebe die ganze Zeit für sich alleine behält und nicht mit der Zeit auch auf andere Wesen überträgt, der läuft Gefahr, sich von anderen abzugrenzen und zu entfernen. Wir werden einsam. Zwischenmenschliche Beziehungen können dadurch gestört oder sogar getrennt werden. Mit der Zeit finden wir zwar immer mehr Eigenliebe und Mitgefühl mit uns selbst. Aber wir sind auch soziale Wesen, die alleine nur schwer überleben können. Wir brauchen auch die Interaktion mit anderen. Deshalb sollten wir immer darauf achten, die guten Eigenschaften nicht nur in uns selbst zu kultivieren, sondern auch anderen Menschen gute Wünsche zu vermitteln.


2.    Die Geister, die ich rief…werd ich nun nicht los 


Aus einer inneren höheren Führung kann auch Selbstbesessenheit werden. Wir hören unsere Stimme so deutlich, dass wir eventuell Handlungen vornehmen, die nicht in Einklang mit dem Zusammenleben mit anderen stehen. Unser innerer Ruf leitet uns möglicherweise sogar auf negative Pfade wie Rache oder Verleumdung. Dann geraten wir in einen negativen Sog, der so schnell nicht aufzuhalten ist. Und die guten Wirkungen weichen sogar negativen Handlungen, die uns selbst nicht gut tun. Wir sind so besessen von unserem Selbst, dass wir ungeprüft alles glauben, was es uns sagen will. Und da wir mit der Zeit daran gewöhnt sind, vermeiden wir es, unsere eigene Sichtweise von Zeit zu Zeit zu hinterfragen. Es ist jedoch wichtig, den eigenen Horizont zu hinterfragen und zu erweitern, denn nichts ist, wie es scheint.


3.    Positive Energien können auch in falsche Richtungen gelenkt werden 


Ebenso wie uns die innere Stimme in die Irre führen kann, besteht die Gefahr, dass wir plötzlich Energien wahrnehmen, mit deren Hilfe wir in der Lage sind, unser Leben in ungeahnte Höhen zu katapultieren. Gerade was Selbstheilungskräfte angeht, spüren wir, wie mächtig diese Energien sein können. Seit ich diesen PAB-Moment hatte, nehme ich zum Beispiel keine Kopfschmerztabletten mehr. Statt einfach eine Pille zu schlucken und im Alltag weiter zu funktionieren, lege ich mich hin und ruhe mich aus, meditiere und trage so viel mehr zu meiner Heilung bei. Dabei langweilen sich die Kinder vielleicht etwas mehr als sonst, die Hausarbeit bleibt liegen, der Ehemann beschwert sich. Aber es bringt mir dennoch mehr Vorteile. Ich bin bewusster bei mir selbst und spüre diesen großen Erfolg, was mein Selbstbewusstsein weiter stärkt.

Je nachdem, welchen Wunsch wir uns mit den positiven Kräften spiritueller Energien erfüllen, besteht die Gefahr des Machtmissbrauchs. Wir könnten Wünsche äußern, die nicht dem Allgemeinwohl dienen, wir könnten uns verleiten lassen, Macht über etwas oder jemanden zu gewinnen und sogar  dazu neigen, die Energien negativ auf andere zu lenken, die uns verletzt haben oder wenn wir Vergeltung wünschen.


4.    Wissen ist nicht Weisheit 


Spirituelles Wissen allein reicht nicht aus, um ein Erleuchteter zu werden. Wir müssen das Wissen auch anwenden und verinnerlichen. Wir müssen Erkenntnisse und PAB-Momente wiederholen und festigen, damit sie zu Weisheit werden. Weisheit ist das mit Wissen verbundene Gefühl, das tief aus unserem inneren steigt, wenn wir von etwas überzeugt sind, Wissen, dass nur aus uns selbst hochsteigt, weil wir die Wahrheit kennen. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich gerne an ein Zitat



„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“


von Erich Kästner



Die Worte Kästners fassen gut zusammen, dass sich nur in unseren Handlungen zeigt, was für ein Mensch wir sind.

Nicht-Handeln kann nicht gut sein, egal ob ich weiß, was zu tun ist.


5.    Licht kann auch blenden 


Nicht jedes Licht strahlt auch Wärme aus. Wie die Sonne warmes Licht erzeugt, so sehen wir den Mond auch als Lichtquelle, aber er spiegelt das Licht der Sonne nur wider. Es ist kaltes Licht. Je nachdem, welchen Lehren wir glauben, welchem Guru wir folgen, welche Inhalte wir als wahr anerkennen, wir müssen uns immer bewusst machen, dass alles nur die Wahrheiten anderer sind. Nur, was wir selbst in uns als Weisheit entdecken, kann Wahrheitscharakter für uns haben. Wenn wir nur blind anderen vertrauen, geraten wir möglicherweise in Abhängigkeiten. Deshalb ist es wichtig, alle Inhalte, egal ob ich etwas gelesen, gehört oder anders aufgenommen habe, zu hinterfragen und auch kritisch zu betrachten.

Leider gibt es heutzutage auch Lebensberater, deren Angebote viel Geld kosten, die uns aber auf unserem Weg nicht weiterbringen und kein spirituelles Erwachen vermitteln können. Bedenken wir, dass es viele Lehren auch kostenlos gibt. Wer sucht, der findet, auch ohne geblendet zu werden.  


6.    Hochmut kommt vor dem Fall 


Ein Erwachter Mensch fühlt sich plötzlich frei und unabhängig, wägt sich in Sicherheit, spürt Liebe und Vertrauen. Es ist ein unglaubliches Glücksgefühl, tiefen inneren Frieden zu spüren, so dass wir stolz darauf sein wollen, das gespürt zu haben. Wir beginnen dann vielleicht damit, andere „retten“ zu wollen oder angeben zu wollen mit unserer Erkenntnis. Das jedoch ist der falsche Weg. Ungefragt sollten wir niemandem unsere Spiritualität aufzwingen. Wir fühlen uns erhoben und neigen eventuell dazu, anderen mit diesem Hochmut zu begegnen. „Sieh nur wie toll es ist, erwacht zu sein“. Das ist nicht gut. Das zerstreut die positiven Energien und führt zu Stolz, was schließlich uns selbst in den Abgrund zieht. Gerade am Anfang, wenn unsere Glaubenspflanze noch ganz klein ist, sollten wir dafür sorgen, dass sie geschützt wachsen kann, ohne dass sie gleich wieder zertrampelt wird. Wenn wir jemandem von unseren Erfolgen erzählen, werden wir vielleicht mit Zweifeln und kritischen Fragen bombardiert, die uns selbst wieder von unserem spirituellen Pfad abbringen können. Dann fühlen wir uns hinterher schlechter als vorher. Missionieren sollte den Erfahrenen vorbehalten bleiben. Suchende kommen immer zum Lehrer, nicht umgekehrt.

7.    Enttäuschung aufgrund ausbleibender Erfolge 

 

Immer, wenn wir mit Begeisterung einer Sache folgen und etwas Neues wagen, dann erwarten wir einen gewissen Erfolg. Der erste Erfolg dient uns dann als Motivation, an der Sache dran zu bleiben. Erfolge bestätigen uns in unserem Tun und machen uns selbstbewusst. Wenn wir aber auf der spirituellen Ebene nicht sofort Erfolge verspüren, wenn die Meditation nichts bringt, wenn sich nicht wie versprochen unsere Wünsche aufgrund des Gesetzes der Anziehung erfüllen, dann sind wir enttäuscht und wir wenden uns wieder ab. Schließlich erzielen wir mit äußeren Ablenkungen und Aktivitäten schneller Erfolg. Das kann dann dazu führen, dass es uns hinterher schlechter geht als vorher. Wir könnten in tiefere Gottverlassenheit fallen als zuvor.


Gefahren immer ins Bewusstsein rufen


Wir alle sind auch empfänglich für die negativen Seiten des Lebens. Und mal ehrlich, manchmal ist es wirklich einfacher, neidisch auf das neue Auto unseres Nachbarn zu reagieren, als sich tagelang damit zu beschäftigen, warum es bei mir selbst nicht mit dem dicken Van geklappt hat. Wir dürfen Neid, Angst und Wut auch ruhig mal zulassen. Sie dürfen nur nicht lebensbestimmend werden.

Nicht jede Gefahr, kann jeden gleichermaßen erschüttern. Je nachdem, wer welche Gefahr für sich persönlich sieht, sollte speziell darauf achten. Wer weiß, dass er schnell zu unkontrollierter Wut neigt, sollte sich dahingehend öfter kontrollieren. Wer zu Sucht neigt, sollte sich fernhalten von zwielichtigen spirituellen Praktiken wie Räuchern oder Pendeln. Wer schnell die Meinung anderer annimmt, dem tun Vorträge von einem Guru vielleicht nicht gut. Wir alle möchten gerne von den positiven Kräften der Spiritualität profitieren, aber das geht eben nicht, ohne sich den Gefahren bewusst zu sein. Wir dürfen uns nur nicht herunterziehen lassen. Denn niemand will sich unfreiwillig in den Fängen einer bösen Sekte wiederfinden.

Wer sich nicht nur auf die geistigen Energien verlässt, sondern nach wir vor seinen Verstand sinnvoll nutzt, der findet sicher auch trotz negativer Seiten der Spiritualität noch genug Erfüllung in spirituellen Praktiken. Sie sind schließlich etwas Schönes und Heilsames.



       






























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