Sonntag, 21. Mai 2017

Nur Geduld


Geduld ist eine meiner Stärken. Und trotzdem komme ich an meine Grenzen. Ich möchte auf dem spirituellen Weg schneller vorankommen. Doch hier ist weniger einfach mehr, ich muss noch mehr Geduld lernen, weil Einsichten und Weisheiten manchmal nur sehr langsam kommen. Ich möchte mein Ziel schneller erreichen und werde dabei ungeduldig. 



 


Was bedeutet Geduld?



Geduld – die Fähigkeit zu warten.


Geduld heißt aber nicht nur, fähig zu sein, auf etwas zu warten, sondern dabei einen positiven Geist zu behalten. Wenn wir auf etwas warten, müssen wir sowieso warten bis es eintritt. Nur wer möchte, dass etwas schneller voran geht als es in Wirklichkeit geschieht, der gilt als ungeduldig. Eine bessere Definition wäre daher


Geduld – die Fähigkeit, ruhig zu warten


Wir wollen ein bestimmtes Ziel erreichen und wissen auch wie wir dahin kommen können, aber etwas steht uns im Weg. Das fängt mit der langen Warteschlange im Supermarkt an und geht über Wartezeiten in öffentlichen Behörden bis hin zu längeren Zeiträumen, in denen wir beispielsweise auf die Zusage eines neues Jobs warten. Und dann sind da noch die Ziele, die wir nur mit sehr viel Geduld erreichen können wie etwa das Manifestieren von Liebe in unserem Leben, wenn wir gerade Single sind oder das Verändern einer grundlegenden Charaktereigenschaft. Wer schon einmal eine Diät gemacht hat, weiß, wie geduldig man sein muss, bis endlich Ergebnisse sichtbar werden. Wer auf einem Weg schnell ungeduldig wird, erreicht vielleicht seine Ziele nicht, weil er vorschnell aufgibt oder einen anderen bequemeren Weg einschlägt.


Spirituelle Entwicklung erfordert Geduld


Wie schon erwähnt, halte ich mich selbst bereits für sehr geduldig. In Sachen Spiritualität musste ich aber leider feststellen, dass ich mehr will, als ich schnell bekommen kann, bin also auf eine gewisse Ungeduld in mir gestoßen. Das ist ein völlig neues Gefühl, das mich beunruhigt. Ich hatte zwar meinen PAB-Moment, doch der hat nur dazu geführt, dass ich noch mehr dieser Bewusstseinssprünge erleben möchte. Aber manchmal stellen sich die Momente in der Meditation einfach nicht nochmals ein. Es dauert eine Weile, ehe das nächste tiefe Bewusstwerden-Gefühl aufkommt. Und trotzdem erfahre ich diesen Drang, noch mehr und mehr davon zu bekommen. Wer einmal Gott nahe war, der möchte ihn immer wieder sehen, aber manchmal erscheint er einfach nicht. Da kann man schon mal ungeduldig werden.

Wer die Geduld verliert, verlässt den spirituellen Pfad dann vielleicht wieder, weil sich die erhofften Ergebnisse wie Ruhe und innerer Frieden nicht schnell genug einstellen. Wer auf ein Wunder hofft und nicht sofort eines bekommt, wird ungeduldig und wendet sich doch wieder äußeren Genüssen zu. Oder wir verlieren uns in zu vielen spirituellen Wegen und die Energie wird zerstreut.


Mit dem Fokus wächst die Geduld


Ich wollte zu viel und habe mich dadurch selbst gebremst. Inneren Frieden erlangt niemand von heute auf morgen. Er muss wachsen. Erst klein, dann groß, wie eine Blume, die zunächst nur ein Samenkorn ist und erst mit Sonne und Wasser ihre Blüte erreicht. Ebenso lässt sich eine Tugend nur langsam in einem Geist ansiedeln.

Am Anfang ist es daher wichtig, sich auf eine Sache zu konzentrieren, um Zuversicht und Vertrauen zu gewinnen. Das große Ziel der Erleuchtung lässt sich leichter erreichen, wenn auf dem Weg dorthin kleine Zwischenschritte realisiert werden. Das zu erkennen, erfordert Geduld. Ich wollte alles auf einmal: Liebe, Schönheit, Freude, Frieden, Geduld, Wachstum, Wunder, Reichtum, Fülle und all die anderen heilversprechenden Eigenschaften, die erleuchtete Menschen in sich tragen.

Das Wichtigste lerne ich nun zuerst: Geduld. Irgendwann auf dem spirituellen Weg kommt das große Ganze. Bis dahin kommen viele kleine Schritte, die, nacheinander gegangen, etwas bewirken.

Zunächst ist es sinnvoll, sich klar zu machen, was genau wir erreichen wollen. Ist es Liebe? Oder Freundschaft? Wollen wir in erster Linie Alleinsein, Ruhe und Gelassenheit? Oder doch eher Geselligkeit und Familie? Was dem einen gut tut, bringt den anderen schnell aus der Fassung. Und wenn wir zu viel auf einmal wollen, verlieren wir uns in der Unendlichkeit. Deshalb sollten wir uns als erstes fokussieren, auf das, was uns am wichtigsten erscheint, oder was leicht zu erreichen ist. Niemand wird den Berg an Problemen von heute auf morgen versetzen. Wenn wir jedoch geduldig an uns arbeiten, dann wird der Berg mit der Zeit von alleine kleiner. Und irgendwann  ist unsere Glaube so groß, dass wir alles erreichen können.

Die Konzentration auf eine einzige Sache, hilft, die Gedanken zu bündeln und das Ziel schneller zu erreichen.

Wenn ich den ganzen Tag daran denke, wie ruhig ich bin, dann komme ich abends schneller zur Ruhe und fühle mich morgens ausgeruht. Wenn ich den ganzen Tag daran denke, wie respektvoll ich behandelt werde, dann behandle ich andere auch respektvoll und bekomme Respekt zurück.

Wenn ich wertschätze, werde ich wertgeschätzt. Wenn ich liebe, werde ich geliebt.

Will ich alles auf einmal und am besten sofort, dann wird es schwer mit der Zielerreichung. Und ich bekomme nichts von alldem. Aber je mehr wir unseren Fokus auf eine einzige Eigenschaft legen, umso schneller wird das Ergebnis sichtbar und die Geduld wächst, wenn wir beim nächsten Mal vielleicht ein größeres Ziel in Angriff nehmen wollen.

Durch diesen Fokus wächst die Geduld ins Unermessliche, bis wir nur noch einen Wunsch äußern und einfach nur noch auf dessen Erfüllung warten. Spätestens dann gilt für die Geduld:
Geduld ist nicht nur
das ruhige Warten auf ein Ergebnis,
sondern die Zuversicht,
dass genau das gewünschte Ergebnis
mit Sicherheit eintreten wird.

Wenn wir das erkannt haben, dann können wir die Zeit des Wartens mit anderen schönen Dingen erfüllen wie etwa einem anregenden Gespräch in der Warteschlange oder dem Kultivieren weiterer Tugenden.  

Mir fällt in diesem Zusammenhang eine buddhistische Weisheit ein, die es auf den Punkt trifft.  

“Meditiere jeden Tag mindestens 10 Minuten.
Es sei denn du hast keine Zeit,
dann meditiere 20!”


Je ungeduldiger wir sind, umso langsamer scheint die Zeit voranzugehen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist es umso wertvoller, Geduld zu kultivieren, weil die Zeit dann immer sinnvoll oder erfüllend genutzt werden kann, egal wie lange etwas dauert.  



            




























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