Sonntag, 18. Juni 2017

Ärger zur Selbsterkenntnis nutzen



Wer ärgert sich schon gerne? Wenn wir uns ärgern, dann sprüht es in uns. Das Blut kocht, wir atmen wie wilde Tiere auf der Flucht und können keinen klaren Gedanken fassen. Wenn der Ärger dann auch noch auf Ärger trifft, ist eine Gefühlsexplosion fast schon vorprogrammiert. Das will doch keiner. Oder doch?

 


 

Wozu Ärger gut sein kann


Ärger kann uns von Menschen fernhalten, die uns nicht gut tun. Wenn wir uns ärgern, wollen wir unser Gegenüber loswerden.
Ärger kann uns helfen, geduldiger zu werden oder mehr Verständnis für andere zu entwickeln.
In der Regel wollen wir ärgerliche Gefühle aber schnell wieder loswerden. Wir verdrängen dann das Geschehnis oder ziehen uns zurück. Wir versuchen krampfhaft, uns zu beruhigen oder, wenn das nicht klappt, verlieren wir vielleicht sogar die Kontrolle und tun unüberlegt Dinge, die wir anschließend bereuen.
Ärger kann uns aber auch viel über uns selbst verraten. Dieses Wissen können wir nutzen, um unser Verhalten zu analysieren und eventuell alte Gedankenmuster zu erkennen und umzuwandeln.  
 

Was Ärger über uns verrät

Wenn wir uns ärgern, dann befinden wir uns in einer Situation, die wir nicht haben wollen. In uns arbeitet unterbewusst gerade ein Glaubenssatz, der nicht gut für uns ist. Nehmen wir mal den Spieleklassiker „Mensch ärgere dich nicht“. Wir spielen und sind gerade dabei, zu verlieren. Alle anderen Mitspieler haben bereits drei Männchen in Sicherheit gebracht und von uns stehen alle Vier noch auf dem Feld. Ärgerlich! Wir wollten doch gewinnen. Aber es scheint, als seien wir gerade kein Gewinnertyp, sondern eher ein Verlierer. „Ich bin ein Verlierer“, kreischt unser Unterbewusstsein. Wir ärgern uns. Daher nehmen wir die innere Stimme nicht wahr, sondern wir fühlen nur, wie uns die Luft langsam ausgeht, unser Herz höher schlägt und wir am liebsten mit der Faust auf den Tisch hauen wollen. Das Gefühl kommt zuerst. Wenn wir Pech haben, ist der Ärger plötzlich da und wir kommen aus der Nummer nicht mehr raus. Das kann nicht nur uns die Laune verderben, sondern auch noch unseren Mitspielern.
Wenn wir uns das bewusst machen, dann können wir von unserem Ärger lernen. Wir erfahren nämlich, was in uns arbeitet. Wir erfahren, dass wir uns für einen Verlierer halten, oder zumindest für einen schlechten Verlierer. Oder dass wir nicht damit umgehen können, wenn andere besser sind als wir oder mehr Glück haben, oder, oder.

 

Den Ärger umwandeln

Wenn wir nur versuchen, den Ärger schnell loszuwerden, dann verdrängen wir unsere Gefühle. Der Ärger verschwindet dann zwar, aber wir werden immer wieder in ähnliche Situationen kommen und uns erneut über die gleiche Sache ärgern.
Wenn wir versuchen, unseren Ärger festzuhalten, dann kann er zu unserem Lehrer werden. Wir müssen dazu versuchen, die Gefühle und die Gedanken genau zu erkennen, die uns zu schaffen machen. Wenn wir im Ärger bleiben, dann erfahren wir die Ursache. Oft ist es ein einziger Ich-bin-Satz, der uns zu schaffen macht. Ich bin nicht in der Lage, mich zu kontrollieren. Ich bin ein Pechvogel. Ich bin unglücklich, weil… Ich bin ein Looser. Ich bin ein Miesepeter, man sieht’s grad wieder. 
Das ist zwar anstrengend und erfordert etwas Disziplin, lohnt sich aber. Denn: haben wir den negativen Glaubenssatz entlarvt, der uns im Ärger gefangen hält, dann können wir ihn umwandeln in eine positive Affirmation. Aus „Ich bin ein schlechter Verlierer“ kann dann ebenso gut werden. „Mal gewinnt man, mal verliert man.“ Oder „Ich spiele gerne, auch wenn ich Letzter bin.“ Finden wir während der Ärgerphase heraus, dass wir eigentlich überhaupt keine Lust auf Gesellschaftsspiele haben, dann könnten wir daraus auch machen: „Ich gucke lieber zu und behalte die Regeln im Auge.“ So können wir an der geselligen Runde teilnehmen, ohne uns zu ärgern.
 
 
Wenn wir auf diese Weise unseren Ärger im Zaum halten können, wird es auch in Zukunft weniger Situationen geben, die uns wütend werden lassen. Wir behalten uns immer besser unter Kontrolle.

 

 
           









































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